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Remo

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Meine Depression macht mich verletzlich. Manchmal scheint es, als hätte ich keine Haut mehr und ich bestünde nur noch aus Gefühlen. Gefühle, die durch den kleinsten Lufthauch in einen wuchtigen Wirbelsturm gebracht werden können.

Doch meine Depression zeigt mir auch, welchen Weg ich in meinem Leben gehen sollte. Schliesslich erscheint mein depressives Ich immer nur dann, wenn ich mir selbst nicht mehr treu bin.

Dank der Depression begann mein Leben zu heilen

Seit rund 15 Jahren begleitet mich meine Depression. Inzwischen sind wir gute Kumpels geworden. Das war am Anfang natürlich ganz anders.
Als ich mit etwa 14 Jahren die dunkle, alles verschlingende und schmerzende Depression kennenlernte, war ich bereit zu sterben. Ich sah keine Möglichkeit, dass ich dieses schwarze Loch jemals wieder verlassen könnte. Als mein Wunsch nach dem Tod jedoch nicht erfüllt wurde,  fasste ich einen Entschluss: Ich mache das beste aus diesem Scheiss!

Dieser „Scheiss“ ist nun mein Leben. Und inzwischen bin ich ganz froh, dass ich dieses Leben habe. Auch wenn es manchmal schwierig ist, Freude zu empfinden, gebe ich nicht auf. Denn heute weiss ich, dass meine Depression nichts böses oder fremdartiges ist. Die Depression ist ein Teil von mir. Und vor allem: Ein verdammt gesunder Teil von mir. Denn wenn ich meine Depression nicht hätte, würde ich noch heute in ungesunden Beziehungen und Energie raubenden Arbeitsplätzen verweilen. Dank meiner Depression konnte ich mein Leben in gesündere Bahnen bringen.

Wozu auch immer: Ich bin bereit

Mein letztes, grosses depressive Tief erlebte ich Ende 2017 bis anfangs 2018. Bereits Monate vor dem Ausbruch spürte ich, dass ich etwas in meinem Leben ändern sollte – doch ich wusste nicht, was. Ich liess es also drauf ankommen.

Es war im Dezember 2017, ich lag tagelang auf dem Boden oder im Bett und ass kaum noch etwas. Ich hatte zwar Hunger, aber keine Energie, etwas einkaufen zu gehen. Wäre mein Partner in dieser Zeit nicht bei mir gewesen – ich weiss nicht, was mit mir passiert wäre.
Er war es, der einkaufen ging, für uns kochte – aber dann alleine essen musste. Denn ich ertrug die Zweisamkeit nicht mehr. Aber die Einsamkeit bekam mir noch weniger: Ich konnte mich immer weniger bewegen, denn jede Bewegung löste eine Wut aus. Anders kann ich mein damaliges Empfinden nicht in Worte fassen. Es war, als wäre ich von Wut umgeben und ich musste erstarren, damit die Wut nicht aufgewirbelt wurde. Mein Körper schien zu schreien.

Nach knapp einer Woche entschied ich mich, mein Leben grundlegend zu ändern. Nach wie vor wusste ich nicht, was genau ich ändern sollte, aber ich war bereit.

Nach Jahren des Wehrens begann ich, Antidepressiva zu nehmen. Da ich mich bereits in einer Psychotherapie befand, war dies zum Glück ein Leichtes. Als sich mein Zustand auch mit den Medikamenten nicht besserte, ging ich einen Schritt weiter und liess mich in eine Klinik einweisen.

Wir sind nicht allein

Die zwei Monate in der Klinik waren sehr heilend. Endlich erkannte ich, dass meine Depression nicht schwarz, sondern knallbunt ist. Plötzlich spürte ich ganz klar, was mir gut tut und was nicht. Ein grosser Schritt für mich. So erkannte ich unter anderem, dass ich meine Karriere-Pläne über Bord schmeissen sollte. Denn der Weg zu meinem angestrebten Ziel war nicht mehr gesund für mich.

Der Klinikalltag brachte mich also Stück für Stück näher zu mir selbst. Von morgens bis abends hatte ich Gesprächstherapien, Bewegungstherapie, Sport, Kunsttherapie, etc. Es war eine anstrengende, aber zugleich auch eine erhellende Zeit.
Vor allem zu sehen, dass ich nicht der einzige Mensch mit Depressionen bin, tat unglaublich gut – und warf Fragen auf.

Depression als Inspiration

Wenn es also viele Menschen mit Depressionen gibt, warum reden wir nicht mehr miteinander? Warum verstecken wir unseren Gesundheitszustand vor der Gesellschaft? Je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass auch ich meine Depression jahrelang versteckte. Ich wollte etwas dagegen tun. Doch der Mut fehlte mir.

Als ich 2019 Luca und sein Projekt  „Life Love Depression“ kennenlernte, fühlte ich mich inspiriert. Endlich fand ich den Mut, mein Projekt zum Leben zu erwecken. Nun schreibe ich jeden Freitag auf dervolpe.ch Texte über meine Depression und das Leben.

Der virtuelle und persönliche Austausch mit den Lesern und Leserinnen macht mir Freude und es tut gut zu wissen, dass wir nicht alleine sind. Daher kann ich auch dir empfehlen: Tu etwas und rede über deine Gedanken und Gefühle.

Ich wünsche dir viel Kraft dabei.

Herzlichst,
Remo

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Remo
(*1990), Journalist und Autor

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